Ü. Gegenstände erforschen: Körper an Grenzen

Dozent:innen: Laura Katharina Mücke M.A.
Kurzname: 05.054.24_110
Kurs-Nr.: 05.054.24_110
Kurstyp: Übung

Voraussetzungen / Organisatorisches

Im Sinne des Forschungscharakters des Kurses ist nicht im Vorfeld schon eine bestimmte Perspektive auf das Thema ausgewählt, sondern der Kurs erarbeitet unter Zuhilfenahme verschiedener Methoden und Theorieansätze gemeinsam – erst in Kleingruppen, anschließend in individuellen Fokussierungen – die Gegenstände, die dessen Zentrum bilden. Es geht darum, ausgehend vom bewusst breiten Begriff der „Grenze“ konkrete medienwissenschaftliche Frage- und Forschungsperspektiven zu entwickeln, die die Basis für etwa nachfolgende Haus- und Abschlussarbeiten bilden könnten.

Die Übung hat eine Anwesenheitspflicht, d.h. mehr als zwei Abwesenheiten sind unzulässig. Außerdem können ggf. vom regulären Kurstermin abweichende Seminarzeiten entstehen, etwa, wenn Exkursionen oder Gastvorträge stattfinden. Eine wichtige Anforderung im Kurs ist die Bereitschaft, sich mit theorielastiger Lektüre auseinanderzusetzen und bereit zu sein, diese mit zeitgenössischen und historischen Medien-Szenarien in ihren Komplexitäten und Abhängigkeiten zusammenzudenken. Die Prüfungsleistung im Kurs ist die Anfertigung des Forschungsprojekts.

Inhalt

Kaum eine Denkkategorie ist so reglementierend für Gesellschaften und Körper, wie die der Grenzen: Grenzen bestimmen das Sagen, Denken, Bewegen, Handeln. Grenzen machen klassifizierbar, messbar, normalisierbar. Gesetzgebungen stellen Grenzen dar, es gibt nationale, Rechts- und Staatsgrenzen, medizinische Grenzwertbestimmungen, Grenzen des physisch Ertragbaren, Grenzen des Denkbaren. Darunter liegen doppelte und widersprüchliche Grenzen, internalisierte und sich verschiebende Grenzen, aber auch ein wissenschaftlicher Gestus der Unaushaltbarkeit von Grenzenlosigkeit und Unbestimmbarkeit. Weil Grenzen Ordnungsprinzip und Anforderungsmaßstab, Eigentums- und Zugehörigkeitsinstrument sind, sind sie Dreh- und Angelpunkte des menschlichen Miteinanders. Damit sind Grenzen selbst Medien, genauso wie Medien an Grenzen eingesetzt werden, um diese zu dokumentieren und hervorzubringen.

Nur sind die Körper an diesen Grenzen nicht neutral oder universal, sondern umgekehrt werden erst mit dem Eingeschriebensein von Lesbarkeiten und Identitäten in diese Körper Begrenzungen aktiv. Mit Grenzen kommen Normen und Prekarisierungen; zugleich geben Sie Mach- und Sagbarkeiten vor. Manche Grenzen verschieben sich stetig zwischen Kulturen und Zeiten – andere bleiben überraschend persistent. Die (Medien-)Phänomenologie begreift sich schon länger als methodische Disziplin der Verhältnisbestimmung: der Aushandlung der Grenzen und Warnehmbarkeiten zwischen Selbst vs. Anderem, zwischen Innen vs. Außen, zwischen Räumen vs. Regimen. Im Kontext einer Kritischen Phänomenologie wie jener von Frantz Fanon, Lisa Guenther und Kris Sealey werden die Machtdifferenzen, die jene Grenzen navigieren, mittlerweile auch wissenschaftlich adressierbar. Menschen sind unterschiedlich von Grenzziehungen betroffen. Die  Verhältnisse von Grenzen, Körpern und Medien sind immanent politisch. Einige Beispiele: Menschen, die an Grenzen ihre Flucht dokumentieren; Verhandlungen von Un/Sichtbarkeiten medizinischer Grenzwerte im Sport; Zensur und Einschränkung weiblicher und Schwarzer Körper auf sozialmedialen Plattformen; filmische Repräsentationen von Grenzen als Glaubwürdigkeitsmarker des Klimawandels, entzogene Forschungsgelder für machtkritische Fächern an Universitäten; abgestelltes Internet als Kriegsstrategie und Faktor der Dehumanisierung in Gaza.

In einer Gegenbewegung zu medienkulturwissenschaftliche Ansätzen aus den 2000er- und 2010er-Jahren, die statt der scharfen Grenzziehungen im Sinne einer poststrukturalistischen Theoriebildung eher das Diffuse, Ephemere, Durchlässige und Übergangsmomente als Schwellenerfahrungen fokussiert hatten, nimmt dieses Seminar ernst, dass Grenzen aktuell eher geschlossen als geöffnet werden – und es fragt insbesondere, was diese erzwungenen Schließungen für etwa feministische, queere, postmigrantische kulturwissenschaftliche Forschungsprojekte bedeutet.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
29.10.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
05.11.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
12.11.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
19.11.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
26.11.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
03.12.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
10.12.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
17.12.2025 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
07.01.2026 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
14.01.2026 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
21.01.2026 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
28.01.2026 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
04.02.2026 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg
11.02.2026 (Mittwoch) 14:15 - 17:45 00 223 (K2) Übungsraum
9139 - Am Kisselberg