Von Laura Katharina Mücke im Sammelband Deine Kamera ist eine App. Über Medienverpflechtungen des Applizierens und Appropriierens (Elisa Linseisen/Alena Strohmaier 2023, meson press)

Mückes Beitrag beschäftigt sich mit aktivistischen TikTok-Videos von Frauen*, die im Kontext der zivilen Proteste im August 2020 in Belarus entstanden sind. Er nutzt diese als analytische Kontrastfolie, um der oft mit tradierten Erklärungsmustern agierenden bisherigen Forschung zu TikTok einen Spiegel vorzuhalten: Wenn TikTok mit Begriffen bzw. film- und medienwissenschaftlich bereits gefestigten Ontologien (wie ‚Genre‘, ‚Stilmittel‘ oder sogar ‚Ästhetik‘) analysiert wird, bleiben die meisten der sich dort heterogen bewegenden Videos unbesprochen. Mit ihren Ausführungen plädiert Mücke stattdessen für einen feministisch informierten, diskriminierungssensiblen, kanon- und binaritätskritischen Umgang mit Bewegtbildern in den sozialen Medien, indem sie TikTok auch theoretisch als „Alltagsmedium“ liest.

Der Sammelband von Elisa Linseisen und Alena Strohmaier untersucht systematisch das Verhältnis von digitalen Kameras und ihren softwaretechnischen Grundlagen, die wir unter „Apps“ zusammenfassen. Als konzeptuelles Framing in der Auseinandersetzung mit dieser medialen Verbindung aus Kamera/App wählen wir das ästhetische wie theoretische Spektrum aus Techniken des Appropriierens und Applizierens und damit verbundene Theorietraditionen der Filmwissenschaft sowie der Software, Platform und App Studies. Mit dem programmatischen Befund ‚Deine Kamera ist eine App‘ soll in vier dialogischen Textpaaren dem offenen Themenfeld zwischen Appropriation/Applikation und seiner zeitgenössischen Brisanz wie historischen Tiefe entlang übergreifender Konzepte wie Partizipation, Format und Widerstand nachgegangen werden. Dabei beleuchtet der Band die Verbindung von Ästhetik und Technik, Kunst und Software und wendet sich neben dem Film auch den sogenannten Medienkünsten, dokumentarischen Videoformaten, Selbstdokumentationen und dem Gaming zu.

(aus dem Beschreibungstext der Herausgeberinnen. Der Band ist Open Access hier verfügbar.)